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Lehrertag der Maria-Ward-Schulstiftung in Deggendorf
„Keck - kühn - katholisch. Vom Geist unserer Schulen“
Nach der Begrüßung durch den Stiftungsvorsitzenden, Herrn Dr. Karl Geisenberger, referierte Pater Dr. Heiner Wilmer unter dem Motto „Keck - kühn - katholisch. Vom Geist unserer Schulen“ über die Werteerziehung an kirchlichen Bildungseinrichtungen. Er stellte eingangs fest, dass Menschen beim Begriff „Werte“ an Unterschiedlichstes dächten. So assoziierten auch viele Lehrerinnen und Lehrer damit nicht das, was den jungen Menschen guttue, sondern die alten preußischen Sekundärtugenden Aufrichtigkeit, Bescheidenheit, Disziplin, Fleiß, Gehorsam, Geradlinigkeit, Mut, Ordnungssinn, Pflichtbewusstsein, Pünktlichkeit, Redlichkeit, Tapferkeit [„Leiden ohne Klagen“], Unbestechlichkeit, Zurückhaltung und Zuverlässigkeit.
Dieser Imperativ („Du musst so sein!“) sei aber nicht die Grundlage der Botschaft Jesu, vielmehr das indikativische „Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt 5.13). Lehrerinnen und Lehrer müssten deshalb ihre Schülerinnen und Schüler zuallererst respektieren, vorbehaltlos so akzeptieren, wie sie sind. Gäbe es sie nicht, wäre es, als „würde man von der Erde die Sonne losketten und es würde etwas kälter ohne sie“.
Für den Unterrichtsalltag bedeute dies, dass die direkte Lehrer-Schüler-Beziehung die unersetzliche Voraussetzung für gelungene pädagogische Arbeit darstelle. „Inter - esse“ bedeute „dazwischen sein“, deshalb müsse sich jeder Pädagoge immer wieder fragen: Inwieweit bin ich als Lehrer im Leben meiner Schüler drin? Lasse ich mich persönlich ansprechen? Habe ich die Namen all meiner Schüler parat oder muss ich nach einigen Monaten gemeinsamer Zeit immer noch nachfragen? Habe ich Zeit für Außerunterrichtliches? Sage ich Gutes („benedicere“) über meine Schüler (z. B. am Elternsprechtag) oder schaue ich nur auf die Noten? Pflege ich eine Kultur des Scheiterns (Das Leben ist fragil, deshalb gehört auch das Scheitern zum Leben, auch wenn die Gesellschaft oder die Werbung das Gegenteil suggeriert)? Pflege ich eine Kultur des Dankens und des Feierns (Klassenfeiern, religiöse Feiern), weil die besten Dinge des Lebens nicht Ergebnis der eigenen Leistung sind, sondern aus gelungenen Beziehungen erwachsen?
Im Anschluss daran führte das Moderationsteam (Herr Zehetmair, Frau Schlögl, Frau Wirth) die Teilnehmer in die Gruppenarbeitsphase ein. Die Leitfragen lauteten: Welche Werte sind für einen selbst in seinem pädagogischen Wirken wichtig? Welche an der eigenen Schule? Wo sind Defizite zu erkennen? Wie sind diese zu beheben?
Nach einem gemeinsamen Mittagessen arbeiteten die Lehrkräfte aus dem zuvor entwickelten Wertepool die besonders wichtigen „Wert-Edelsteine“ heraus und benannten diese beim abschließenden Wortgottesdienst, indem jeweils ein Gruppenmitglied die auf einem „Edelstein-Plakat“ notierten Begriffe oder kurzen Sätze einem vorbereiteten Wertekreis anfügte.
Mit dem sicheren Gefühl, an einer Schule zu wirken, an der das bedingungslose Akzeptieren der Schülerpersönlichkeit jeden Tag aufs Neue angestrebt wird und der Gewissheit, dass dies auch den Grundsätzen Mary Wards entspricht, wenn sie sagt: „Zeige dich so, wie du bist und sei so, wie du dich zeigst.“, machten sie die Teilnehmer auf die Heimreise. |
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